Im Spie­gel vom 18. Dezem­ber 2017 ver­öf­fent­lich­te Sig­mar Gabri­el einen Besin­nungs­auf­satz  über die Zukunft der Sozi­al­de­mo­kra­tie, über Post­mo­der­ne und Ent­wur­ze­lung. Jakob Aug­stein bezeich­net ihn in sei­ner SpOn-Kolum­ne als „klu­gen Essay“, allei­ne ja schon ein Grund zur Vor­sicht.  Und Gabri­el selbst spricht in sei­nem Auf­satz eini­ge grund­le­gen­de und rich­ti­ge Pro­ble­me an – aber den­noch hat er voll­kom­men unrecht.

Denn der Weg aus dem Spät­ka­pi­ta­lis­mus ist nicht der zurück in eine – wie auch immer gear­te­te – Moder­ne. Eine Moder­ne der 50er-Jah­re, in der der Mann noch die Bröt­chen holt und Abends noch pünkt­lich das Essen auf dem Tisch steht. In die roman­ti­sier­te Welt knol­len­na­si­ger Arbei­ter, die noch wis­sen, wo ihr Platz in der Gesell­schaft und auf der Welt ist, in der man von fer­nen Kon­ti­nen­ten nur ein­mal gehört oder im schwarz-weiß Fern­se­her gese­hen hat, eine Welt, in der „alles noch in Ord­nung“ war. Nicht nur, dass weit eine Min­der­heit der Arbeiter*innen sich heu­te noch mit Blu­men­kohl­na­sen her­um­schla­gen müs­sen: auch die Pro­ble­me der Men­schen sind nicht mehr die sel­ben wie in den 1950er-Jah­ren.

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