Die Medi­en­front ist heu­te ein wich­ti­ger Kriegs­schau­platz, den vie­le neben Land, Was­ser und Luft für gleich wich­tig hal­ten. Ter­ro­ris­ten füh­len sich in sozia­len Medi­en woh­ler als man den­ken könn­te. Im Netz kön­nen sie die asym­me­tri­sche Kräf­te­ver­tei­lung über­win­den, die sie in der offe­nen Feld­schlacht unter­le­gen sein lie­ße.
Ter­ro­ris­ten machen sich das Bild zur Waf­fe und pro­du­zie­ren erst durch die Posi­tio­nie­rung an der Medi­en­front Sinn in ihren Taten. Ohne ein Beken­ner­schrei­ben, ein Abschieds­vi­deo des Atten­tä­ters oder ein letz­tes Pos­ting im sozia­len Netz­werk wäre ein Bom­ben­an­schlag nichts als ein Kapi­tal­ver­bre­chen. Durch die ter­ro­ris­ti­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie wird das Ver­bre­chen erst zum ter­ro­ris­ti­schen Akt. Das ist die theo­re­ti­sche Grund­an­nah­me die­ses Auf­sat­zes. Ohne Medi­en­be­richt­erstat­tung könn­ten ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen nicht exis­tie­ren. Durch die Ent­wick­lung des Web 2.0 und ins­be­son­de­re sozia­ler Medi­en kom­men ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen heut­zu­ta­ge aber ganz ohne das Ver­schi­cken von Video­tapes an Fern­seh­sen­der aus. Durch You­Tube und ande­re Kanä­le, kön­nen sie die Adres­sa­ten ihrer Bot­schaf­ten direkt und ohne zwi­schen­ge­schal­te­te Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten errei­chen.

So ist es nicht erstaun­lich, dass ter­ro­ris­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen sich eine gewis­se Exper­ti­se im Umgang mit sozia­len Medi­en zuge­legt haben. Al-Qai­da hat sei­ne eige­ne Medi­en­ab­tei­lung, auch die kolum­bia­ni­schen FARC arbei­ten sehr pro­fes­sio­nell und wel­chen Ein­fluss der Isla­mi­sche Staat im Inter­net aus­übt ist inzwi­schen bereits Gegen­stand eini­ger Repor­ta­gen und Unter­su­chun­gen gewor­den.

Mein Auf­satz „Funk­ti­ons­lo­gik ter­ro­ris­ti­scher Pro­pa­gan­da im beweg­ten Bild“ erschien die­ser Tage im Jour­nal for Dera­di­ca­li­za­ti­on.